Mein Berliner Abenteuer

9 Oktober 2015
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Berlin-Marathon 2015

Ein Erfahrungsbericht von Markus Hösel-Wechner

 

Die größte Marathon-Veranstaltung auf deutschem Boden und zugleich einer der fünf größten Marathons weltweit – das wollte ich mir aus der Nähe ansehen.

Doch zuerst galt es das Anmeldeverfahren zu überstehen. Unmittelbar nach dem Marathon 2014 gab es eine dreiwöchige Frist in der man per Internet seine Anmeldungs- und Zahlungsdaten eingeben konnte. Dann wanderte diese Bewerbung in einen Los-Topf, denn trotz 40.000 Startplätzen für diese reine Marathon-Veranstaltung melden sich mehr Bewerber an und das Losglück muss entscheiden.

Im November 2014 kam dann per Mail die Zusage und wenige Tage später war auch schon die Startgebühr vom Konto abgebucht.

Am Freitag 25.09. bin ich dann mit meiner Frau nach Berlin geflogen. Am selben Abend haben wir noch die Startunterlagen abgeholt, um dem Ansturm am Samstag zu entgehen. Am Eingang zum Anmeldebereich erhielt jeder Starter ein festes Armband, das bis zum Start am Sonntag dran bleiben musste und die Startnummer wurde nur gegen zusätzliche Vorlage des Personalausweises ausgegeben.

 

Breakfast Run, Samstag 26.09.15

BR56

Bei Bilderbuch-Wetter ging es vom Schloss Charlottenburg um 09:30 Uhr die sechs Kilometer raus zum Berliner Olympiastadion mit sehr gemächlichen 7:30 bis 08:00 Min pro Kilometer.

Es waren ca. 10.000 Teilnehmer gekommen und es herrschte beste Stimmung. Viele Fahnen waren zu sehen und viele Luftballons stiegen auf. Am Stadion angekommen führte uns der Weg über einen Seiteneingang und die Katakomben durch das Marathon-Tor ins Olympiastadion hinein. Die ungewohnte Perspektive war überwältigend und die Runde auf der blauen Tartan-Bahn haben alle Teilnehmer sichtlich genossen.

Über die große Stadion-Treppe ging es dann hinauf zu den Frühstücks-Ständen, die auf der Stadionseite aufgebaut waren. Es war ein sehr gelungener Beginn.

 

Skater-Wettbewerbe, Samstag 26.09.15

Skater11-Brandenburger Tor

Am Samstagnachmittag fanden neben den Jugendläufen auch die Skater-Wettbewerbe statt. Wenn man sieht, mit welcher Geschwindigkeit die Teilnehmer unterwegs sind, dann nötigt das Respekt ab. Die Spitzenläufer erreichen das Ziel in knapp über einer Stunde.

Es gibt einige ‚Narrische‘, die sowohl am Samstag am Skater-Wettbewerb teilnehmen und dann auch noch am Sonntag am Marathon. Für diese Doppelstarter wurde sogar eine Extra-Wertung eingerichtet.

 

Marathon, Sonntag 27.09.15

km42-07 Brandenburger Tor

Es erfordert eine wahnsinnige Organisation, um 41.224 Marathon-Starter sicher über die Start- und möglichst auch die Ziel-Linie zu bringen. Beim Zugang zu den Garderoben und nochmals beim Betreten des Startblocks mussten Armband und Startnummer vorgezeigt werden. Man fühlte sich aber immer optimal betreut und gut aufgehoben.

Der Start zog sich über eine Dreiviertelstunde hin, bis auch der letzte Block H auf die Strecke geschickt wurde. Für mich waren so viele Starter natürlich ein Novum. Noch nie bin ich bis weit über die Halbmarathon-Marke im dichten Pulk gelaufen. Und selbst auf den letzten Kilometern gab es manche Verdichtung, wie man sie bei kleineren Wettbewerben nicht kennt.

Die Streckenführung ist sehr interessant und zeigt Berlin wirklich in allen Facetten. Vom Arbeiter-Kiez, über das Regierungsviertel, Prachtstraßen im sozialistischen Baustil, bunt bemalten Häusern in Kreuzberg, ländlich anmutenden Straßen im Berliner Südwesten, dem breit angelegten Ku-Damm bis hin zu den neuen Prunkbauten in Berlin-Mitte war alles dabei. Auf den letzten beiden Kilometern führte die Strecke über den Gendarmen-Markt und die Prachtstraße Unter den Linden durch das Brandenburger Tor zum Ziel auf der Straße des 17. Juni.

Das Berliner Publikum war große Klasse und hat selbst die Fußgänger auf den letzten Kilometern frenetisch angefeuert. Noch selten wurde ich so oft mit meinem Vornamen angesprochen und angefeuert. Oder lag es daran, dass auf dem letzten Drittel mein Knie Probleme bereitete und in den zügigen Gehphasen meine Startnummer besser lesbar war als beim Vorbeilaufen?

 

Was bleibt sonst zum Marathon zu sagen?

km05-3 balla-balla-Knackis

Es war mein dritter Marathon und ich wollte unbedingt mal einen solchen Groß-Marathon und ein dichtes Publikum erleben. Ich freue mich aber auch wieder auf kleinere Wettbewerbe – den Gigantismus braucht man nicht.

Ich habe den Lauf sehr genossen und auf der gesamten Strecke immer wieder die Kamera gezückt. So sind über 200 Bilder als bleibende Erinnerung entstanden.

Die Versorgung an den Verpflegungsstationen war perfekt organisiert. Noch nie haben sich mir gefühlt so viele Arme mit Wasserbechern entgegen gestreckt. Das ist wohl auch der Menge der Starter geschuldet.

Beim Blick auf die Ergebnisliste runzelt man schon die Stirn angesichts der vielen Teilnehmer, die offensichtlich den Marathon in 6 bzw. teilweise 7 Stunden durchwandert haben. Ausweislich der geringen Differenzen zwischen Brutto- und Nettozeit haben sich diese Teilnehmer gar in die vorderen Startblöcke eingeschlichen, um überhaupt in die Zeitwertung zu kommen. Mit meinem Verständnis von Fairness und Sportsgeist bekomme ich das nicht in Deckung.

Die Läufer-Welt ist ein Dorf: die beiden in Gefängnis-Uniform laufenden Teilnehmer Florian und Alexander von balla-balla.org aus München hatte ich schon auf der letzten Winterlaufserie in Ismaning getroffen. Am Samstagmorgen auf dem Weg zum Schloss Charlottenburg waren sie mit mir im selben U-Bahn-Wagen.

Am Sonntag traf ich sie dann erneut wenige Meter nach dem Passieren der Justizvollzugsanstalt Moabit. Auf meine Anmerkung, dass ich jetzt endlich wüsste, wo sie ausgebrochen sind, meinten sie nur, die Kollegen hätten zum Abschied noch gewunken und ich möge sie doch bitte nicht verpfeifen. So habe ich es dann auch gehalten.

 

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