Marathon mit „Jaqueline“ und einem Hauch von Mozart

19 Mai 2014
Comments:  1

Ein Marathon ist an sich schon eine harte Sache und die Meisten wären froh, wenn sie die 42,195 Kilometer einfach nur hinter sich bringen könnten. Nach zwei erfolgreichen Versuchen 2012 und 2013 hatte ich mir für 2014 in Salzburg allerdings etwas mehr vorgenommen. In der Mozartstadt sollte beim 11. Salzburg Marathon meine persönliche Bestzeit unter 4 Stunden gedrückt werden. Wie ich es geschafft habe lest Ihr hier.

Virtueller Trainingsplan von Endomondo

Ich hatte mir vor der „Saison“ vorgenommen nicht nur die moralisch wichtige Marke von 4 Stunden beim Marathon zu knacken, sondern wollte zur Verwirklichung dieses Ziels auch erstmals einen eigenen Trainingsplan verwenden.

Zuhause befanden sich zwar 2 Bücher mit allerlei nützlichen Informationen und auch „statischen“ Trainingsplänen. Allerdings erschienen mir die Zeiten, die ich angeblich anhand meiner Leistungsdaten erreichen konnte doch ziemlich vage.

Seit ein paar Monaten verwendete ich zusammen mit meinem Smartphone allerdings eine Tracking-App mit dem Namen Endomondo. Das war der Pendant zu Runtastic. Mir persönlich gefiel dieses Programm aber wesentlich besser, weil es umfangreicher und leichter zu bedienen war.

Mithilfe dieser App ließ sich neuerdings auch ein Trainingsplan entwerfen. Da dachte ich mir:

Das ist doch genau das Richtige für mich und meine Marathonvorbereitung.

Individuelles Training, Abwechslung und kontinuierlicher Aufbau

Der Vorteil dieses virtuellen Trainingsplan gegenüber denen, die oft in Fachliteratur zu finden sind ist, dass er sich ganz individuell an das jeweils aktuelle Leistungsniveau des Protagonissten anpasst.

Man erhält:

– einen Wochen- und Monatsplan mit den eingetragenen Trainingseinheiten
– es wird genau beschrieben, was man wie lange und aus welchem Grund machen sollte
– aufeinander aufbauende Einheiten, die Abwechslung durch monatliche Tests, Intervalle und Spurte sowie lange Läufe bieten

Im Vorfeld kann man festlegen:

– Art der Herausforderung (zum Beispiel Marathon oder Halbmarathon)
– Anspruch ist (1. Mal oder bereits Erfahrung)
– welche Orientierung man hat (Zielzeit, Zielentfernung)
– Dauer der Vorbereitung bis zum Wettkampf/Event
– Anzahl der Einheiten und gewünschte Wochentage

Wenn man also all diese Sachen angibt, erhält man ganz unkompliziert einen umfassenden Trainingsplan der ganz auf das aktuelle Niveau bis zum Zeitpunkt des Events abgestimmt ist.

Im Laufe der Trainingseinheiten stellte ich fest, dass der Trainingsplan zum Beispiel nach den regelmäßigen 12-Minuten-Tests und auch nach anderen Eckdaten vom Trainingsumfang und den zu laufenden Zeiten (Minuten pro Kilometer) angepasst wurde.

Das fand ich sehr praktisch.

Hinzu kam natürlich, dass:

– Streckenverlauf per GPS nachverfolgbar war
– genaue Daten zu den absolvierten Läufen (Geschwindigkeit, Kilometeranzahl, Herzfrequenz, Kalorienverbrauch, Wetterdaten …)
– genaue Auswertung und Statistiken auf Webseite von Endomondo

vorhanden war.

Alles in Allen die perfekten Voraussetzung für mein Training. Es musste nur noch funktionieren.

Aller Anfang ist schwer

Als ich kurz nach Jahresbeginn im Januar 2014 mit dem aktiven Training für den Marathon 2014 in Salzburg begann, stand ich zunächst einmal alleine da. Denn die anderen Teilnehmer des SCUG-Lauftreff wollten erst in 2 Wochen beginnen – Ende Januar.

Also musste ich erst einmal alleine trainieren. Das war gar nicht so einfach.

5 Trainingseinheiten, verteilt auf Montag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag waren eine Menge Holz.

Natürlich machte es zunächst viel Spaß die App bei jedem Training zu aktivieren, nachzuschauen – was ich in welcher Zeit zu laufen hatte. Die 5 Einheiten in der Woche gingen aber spätestens nach 1 1/2 Monate mächtig an die Substanz. Dazwischen gab auch einen 12-Minuten Test, mit welchem der aktuelle Leistungsstand festgestellt werden sollte und der Trainingsplan wieder angepasst wurde.

Der Test war ziemlich hart, weil man wirklich 100 Prozent geben musste. Zu meiner Überraschung ergab sich im Nachhinein eine neue Prognose für meine Zielzeit beim Marathon in Salzburg, die nun noch schneller sein sollte. Dass bedeutete auch, dass das Training nun weiter angepasst wurde.

Die Trainingseinheiten wurden zwar wieder kürzer aber dafür schneller. Daran gewöhnte ich mich allerdings recht schnell.

Lange Läufe im gemeinsamen Marathon-Training

Als dann Ende Januar 2014 auch der Rest der „Trainingsgruppe Salzburg“ ins Marathon-Training einstieg, hatte ich natürlich schon eine gewisse „Frühform“ – auch dank Endomondo.

Ich musste mein Training nun allerdings zeitlich anders planen. Ich wollte schließlich alle Trainingseinheiten auch mit dem Verein machen. So musste ich das eine oder andere Training meines Planes verschieben oder vorziehen um die langen Läufe auch in dem Umfang mitmachen zu können.

Dass klappte aber soweit ganz gut.

Mit der Zeit bekamen die Meisten auch mit, dass ich mit einer App lief. Sie fragten dann was ich mir davon erwarte und wie sie funktionierte. Ich erklärte Ihnen alles. Trotzdem blieben Viele – gerade in der entscheidenden Phase des Trainings mit Läufen zwischen 25 und 32 Kilometern Längeziemlich skeptisch.

Im Laufe der Zeit entschied ich mich aus Spaß auch dazu, die Endomondo-App mit der Frauenstimme namentlich zu bestimmen. Die Wahl fiel aus unerfindlichen Gründen auf „Jaqueline“. Fortan sprach ich nur noch von Jaqueline, wenn mich jemand danach fragte. Sie trieb mich an und ich ordnete meine ganze Vorbereitung ihren Vorschlägen unter.

Die langen Läufe absolvierte ich ohne Probleme – sowohl den Wörthsee- als auch den Andechslauf mit teilweise sehr anspruchsvollen Profil.

1.000 Kilometer mit dem Marathon

Schlussendlich hatte ich am Ende meiner Vorbereitung inklusive aller Intervalltrainingseinheiten, langer Läufe und Testläufe gut 960 Kilometer gelaufen, was zweifelsohne eine enorme Leistung war. Dieser Aufwand musste nun aber auch im Wettkampf seine Berechtigung wiederfinden.

Für mich persönlich stellte dies neben dem Ziel unter 4 Stunden zu laufen eine zusätzlich „Last“ dar. Denn was würde man sagen, wenn ich trotz dieses großen Aufwand entweder mein Ziel nicht erreichte oder schlimmer nicht einmal ankäme aufgrund der zu großen Trainingsbelastung?

Kurz vor dem Start nach Salzburg am Freitag, den 02. Mai 2014 gefährdete ich noch den Start beim Marathon. Am Sonntag vor dem Aufbruch nach Österreich wollte ich unbedingt noch die Sommerräder an unser Auto montieren. Beim herausheben der Räder aus dem Keller verzog ich mir allerdings dann sehr schmerzhaft die linke Rückenmuskulatur.

In diesem Moment dachte ich mir: Toll, das war’s! – was mich fast zur Weißglut brachte.

Glücklicherweise konnte ich die Schmerzen mit Gymnastik, angemessener Bewegung und Schonung bis zum Start am Sonntag, den 04. Mai 2014 um 9 Uhr noch auf eine kaum spürbares Maß reduzieren. Darüber war ich natürlich sehr erleichtert. Bereits während der Woche testete ich zweimal, ob mein Körper der Belastung trotz Rückenbeschwerden standhielt – auch dies klappte.

Die Entscheidung – der Start beim 11. Salzburg Marathon 2014

Wir reisten bereits am Freitag unter anderen mit Heinz und Hannelore Schmid, Klaus Hess und Heinz-Dieter Kruse als „Vorkommando“ mit der Bahn nach Salzburg an.

Wir richteten uns schnell ein und nahmen an vielen gemeinschaftsfördernden „Terminen“ wie Cafe-Plausch bei Mozart, Nachtwächter-Wanderung oder Pasta-Essen am Samstag-Abend teil und bereiteten uns so auch geistig auf den Wettkampf am Sonntag vor.

Die größte Angst herrschte allerdings davor, dass es regnen würde. Die Regen-Wahrscheinlichkeit wurde anhand von verschiedenen Apps auch am Samstag-Nachmittag noch ausgelotet. Positive Prognosen gingen von 40 – 45 Prozent aus. Währenddessen regnete es draußen wie aus Kübeln, was nicht gerade hoffen ließ zumal auch „Eingeborene“ eher von Regen ausgingen.

Am  nächsten Morgen verhieß schon ein leises „Tacken“ am Fenster nichts Gutes. Als ich dann um 06:30 Uhr pünktlich zum Frühstück ging, war mein erster Weg direkt vor das Hotel. Leider bestätigte sich meine Vermutung – es regnete und war ziemlich kühl.

Nicht gerade ideale Bedingungen für einen Marathon/Halbmarathon.

Das drückte die Stimmung unter den Frühaufstehern ziemlich. Ändern konnten wir diesen Zustand natürlich nicht. Die Hoffnung lag darin, dass es noch 2,5 Stunden bis zum Start waren.

Und siehe da – kurz vor dem obligatorischen Gruppenfoto vor dem Hotel, hatte es doch tatsächlich aufgehört zu regnen. Man konnte förmlich die Seufzer der Erleichterung bei den Teilnehmern des Lauftreff hören.

42 Kilometer hinter dem Pacemaker

Nachdem alle äußere Umstände – auch die Problematik der dringenden körperlichen Bedürfnisse – bis kurz vor 9 Uhr geklärt wurden, nahte der Start des Marathons. Die Aufregung war trotz großer Vorbereitung sehr groß. Als der Startschuss erklang und es in 3 Startgruppen losging, war diese Anspannung verschwunden. Nun kam es nur noch auf meinen Körper und meinen Geist an.

Ich war gut vorberietet, ohne Erkältung durch die Vorbereitung gekommen und wusste, dass ich zwischen 5:10 und 5:20 min/km laufen musste um mein Ziel von einer Zeit deutlich unter 4 Stunden zu erreichen.

Also ordnete ich mich im Vorfeld in Startgruppe 2 ein, die zwischen 3:30 und 4:00 Stunden für den Marathon brauchen würden. Natürlich gab es auch Pacemaker, die in zeitlich in 15min-Abständen angesiedelt waren.

Zunächst lief ich einfach nur mein Tempo – so wie es die Menschenmassen auf der Strecke zuließen. Ich erreichte recht schnell die ungefähre Orientierungszeit und ein glücklicher Umstand führte dazu, dass sich nach 2 bis 3 Kilometern auch der Pacemaker für eine Zielzeit von 3:45 Stunden zu uns gesellte.

Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar: Den lasse ich nicht mehr aus den Augen!

Egal ob bei Verpflegungspausen unter anderen beim Schloss Hellbrunn oder in der Stadt Salzburg, ich blieb immer in unmittelbarer Nähe des Pacemakers. Durch seinen gelben Ballon, der allerdings bei Kilometer 18 platzte, war er sehr gut zu erkennen. Zudem war auch „Pumuckl“ immer in seiner Nähe und redete auf ihn ein. So war ich auch während sehr anstrengender Phasen im Rennen, vor allem auf der 2. Runde der Strecke immer ganz gut abgelenkt.

Nach gut der Hälfte des Rennens – also der ersten Durchquerung von Start und Ziel – holte ich auch meinen härtesten Konkurrenten „Vassili“ ein. Er unterhielt sich zu diesem Zeitpunkt noch ganz angeregt mit einem Salzburger, sodass ich meinen Gedanken etwas nachhing. Bis zu Kilometer 28 fiel es mir teilweise ziemlich schwer mit zu orientieren, da der Pacemaker kurzzeitig auf der Toilette verschwunden war und erst wieder nach vorne laufen musste.

Diese Zeit überbrückte ich dann mit meinem Temakameraden. Als dann nach ein paar Kilometern nach der 2. Durchquerung von Schloss Hellbrunn der Tempomacher wieder zu uns stieß, nahm ich auch das gewohnte Tempo wieder auf und war beruhigt.

Abwechslungsreiche Strecke

Die Strecke, die über 2 Runden von je 21,1 Kilometer führte, war sehr abwechslungsreich. Sie führte zunächst durch die Altstadt von Salzburg mit dem klassischen Asphalt über etwas matschige Wanderwege zum Schloss Hellbrunn, vorbei an einem malerischen Berg-Panorama dann entlang eines schönen See’s wieder zurück nach Salzburg.

Insgesamt sollte die Strecke flach sein. Lediglich 10 Höhenmeter waren bei der Ausschreibung angegeben. In der Realität kam das allerdings nicht ganz hin.

Es ging oftmals zwar nur leicht, aber stetig bergan und anschließend wieder bergab. Durch einige Brücken und einer Passage hinauf zu Start und Ziel in der Altstadt war für einige Schweißperlen gesorgt. Gerade zum Ende des Marathons tat diese Passage kurz vor dem Ziel besonders weh. In einer langgezogenen Rechtskurve ging es kurz aber heftig über Kopfsteinpflaster bergan.

Wer hier noch ein paar „Körner“ auf den letzten 39 Kilometer aufsparen konnte, der brauchte diese dort mit Sicherheit.

Glücklicherweise konnte ich mich auch zu diesem Zeitpunkt noch in unmittelbare Nähe des Pacemakers aufhalten. Die Gruppe um ihn war deutlich kleiner geworden und bestand noch aus circa 8 Mann. Zu mir gestoßen war unser „Anheizer“ Stefan Liese, der wie schon im Vorjahr mit dem Fahrrad auf der Strecke unterwegs war um den Teilnehmern des Lauftreff Mut zu machen und sie für die letzten Kilometer „fit“ zu machen.

Das gelang ihm auch  bei mir ganz gut, sodass ich es schaffte mich kurz vor dem Ziel sogar noch an meinen treuen Begleiter  – dem Pacemaker – im Zielspurt vorbei zu schieben.

Im Ziel angekommen galt mein erster Blick dann meiner Zeit. Auf meinen Smartphone konnte ich mit letzter Kraft einen Brutto-Zeit von etwa 3:47 Stunden lesen und war wahnsinnig erleichtert und glücklich.

Ziel erreicht und von den Gefühle überwältigt

Wie nicht anders zu erwarten, war mit Überqueren der Ziellinie sämtliche Kraft aus meinem Körper gewichen. Ich konnte mich nur noch mit Mühe auf den Beinen halten. Ich war zwar nicht in Gefahr ohnmächtig zu werden, aber wirklich laufen konnte ich auch nicht mehr.

Ich besorgte mir zunächst etwas isotonisches zu trinken und musste dann noch 3-4 Becher Cola zu mir nehmen bis ich mich dann nach einem kurzen Intermezzo im Start-Ziel Bereich, wo einige meiner Team-Kameraden um Heinz Schmid mich beglückwünschten und auf die Anderen warteten, auf eine Bank zum Ausruhen begab.

Hier wurde ich dann von meinen Gefühlen übermannt. Es war zwar schon mein 3. Marathon, den ich nun erfolgreich absolviert hatte. Doch aufgrund der Vorbereitung, der eigenen Zielvorgaben und des Anspruchs es dem Rest des Vereins mit „Jaqueline“ zu zeigen, war es auch der Härteste.

Diese Anspannung mit der Angst zu Versagen, fiel nun von mir ab und so wurde ich auch von Tränen übermannt. So etwas hatte ich bisher noch nie erlebt.

Beim ersten Marathon 2012 in Hannover war ich wütend auf die Strecke, auf mich und die schlechten Voraussetzungen. 2013 – bei meinem 2. Marathon in Regensburg war ich glücklich mich verbessert zu haben und hatte mich auf gut gefühlt.

Mein dritter Marathon in Salzburg 2014 hatte nun eigentlich die Wirkung auf mich, die man beim ersten Mal eigentlich annimmt – grenzenloser Stolz und Erleichterung über das Geschaffte.

Die endgültige Zeit von 3:45:20 Stunden brachte mir nicht nur die Anerkennung des Lauftreffs, sondern auch das gute Gefühl, dass man genau das schaffen konnte, was man sich vornimmt, wenn man daran glaubt und auf seinen Körper hält – und natürlich mit „Jaqueline“ trainiert.

One response on “Marathon mit „Jaqueline“ und einem Hauch von Mozart

  1. TOM sagt:

    Da fällt mir doch spontan nur ein:

    „Schön langsam, Jacqueline, sonst kotzt du wieder alles voll!“

    Zitat: Bully Herbig aus der Schuh des Manitu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 × drei =